Blätter, Blüten, Wurzeln – Wie sich Arzneidrogen botanisch unterscheiden

„Das Äußere einer Pflanze ist nur die Hälfte Ihrer Wirklichkeit." Dies erkannte bereits Johann Wolfgang von Goethe im 18. Jahrhundert. Wer sich mit Heilpflanzen befasst, sollte auch mit der Pflanzenmorphologie - dem botanischen Aufbau einer Pflanze - auseinandersetzen. Die botanische Zugehörigkeit zu einer Pflanzenfamilie spielt allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist einzig, ob die Pflanze über genügend Wirkstoffe verfügt, um für Heilzwecke nützlich zu sein. Denn die arzneilichen Wirkstoffe verteilen sich nicht gleichmäßig in der ganzen Pflanze. Ihre individuelle Wirkung ist in bestimmten Pflanzenteilen angereichert. 

Die Pflanzenheilkunde wird gerne für die Selbstbehandlung allerlei Beschwerden eingesetzt. Viele Heilpflanzen und Heilkräuter sind den Menschen schon seit tausenden Jahren bekannt. Zu den Heilpflanzen zählt man Kräuter, Gewürze, Obst und teilweise auch Algen und Pilze. Wurzeln, Sproß und Blätter dienen der Ernährung der Pflanze, Blüten und Früchte der Fortpflanzung. Normalerweise befinden sich die Wurzelorgane unter der Erde und verankern die Pflanze im Boden. Über dem Erdboden befinden sich in der Regel Spross, Blätter und Blüten. 

Getrocknete und zerkleinerte Pflanzenteile werden als Drogen bezeichnet, wobei entweder die ganze Pflanze, nur bestimmte Pflanzenteile oder Zubereitungen daraus verwendet werden. Sie haben lateinische Bezeichnungen: Folia (Blätter), Flores (Blüten), Stipites (Stängel), Lignum (Holz), Fructus (Frucht), Cortex (Rinde), Semen (Samen), Radix (Wurzel), Rhizoma (Wurzelstock), Tuber (Knollen), Bulbus (Zwiebel). Ihre botanische Bezeichnung setzt sich aus dem lateinischen Pflanzennamen und dem Pflanzenteil zusammen:

Zur Gewinnung wirkstoffreicher Drogen ist die jeweils günstigste Tages- und Jahreszeit beim Erntezeitpunkt zu berücksichtigen. Daneben bestimmen die Saatqutauswahl und äußere Faktoren wie Bodenbeschaffenheit, Zeitpunkt der Pflanzung, Bewässerung, Düngung, Lichtzufuhr und UV-Bestrahlung die qualitativen und quantitativen Unterschiede im Wirkstoffgehalt. In den meisten Fällen wird frisch geerntetes Pflanzenmaterial nicht sofort weiterverarbeitet. Es folgt eine schonende Trocknung unter natürlichen Bedingungen im Freien oder in Trocknungsanlagen bei Temperaturen von 40 bis 60°C. Der Trocknungsvorgang soll möglichst schnell und unmittelbar nach der Ernte erfolgen, um enzymatische Abbauvorgänge zu unterbrechen. Eine Konservierung der frischen Pflanze mittels Wasserentzug ist die gebräuchlichste und zugleich wirtschaftlichste Methode. Es entsteht eine lagerfähige Arzneidroge, die durch den verminderten Wassergehalt weitgehend vor Fäulnis und Pilzbefall geschützt ist.

Das Entwicklungsstadium der Pflanze zum Zeitpunkt der Ernte beeinflusst maßgeblich den Gehalt an wirksamen Inhaltsstoffen. Zum Beispiel haben die oberen, jüngeren Blätter einer Pflanze eine höhere Wirkstoffausbeute als ältere, untenstehende Blätter.

Blüten-Drogen -flos
BIütenpflanzen erntet man zu Beginn oder während der Blüte. Eine Blütendroge besteht entweder aus getrockneten ganzen Einzelblüten oder dem gesamten Blütenstand (Blüte mit oder / ohne Kelch, flos cum/sine calice). Manchmal wird die Droge nur aus den äußeren Rand- oder Zungenblüten (z. B Ringelblumen, Calendulae flos; Kornblumen, Cyoni flos) oder den Blütenknospen (z. B Gewürznelken, Caryophyli flos; Lavendelblüten, Lavendulae flos) gebildet. Vereinzelt wird der gesamte Blütenstand zusammen mit einem Hochblatt verwendet (z. B Lindenblüten, Tilioe flos). Von Arnikablüten, Arnicae flos, werden sowohl die ganzen BIütenkörbchen mit Hüllkelch und Blütenboden, als auch nur Teile der Blüte verwendet.

Blatt-Drogen- folium
Blätter werden im Frühjahr kurz vor oder während der Blütezeit geerntet. Eine Blattdroge besteht aus den getrockneten Laubblättern einer Pflanze. Dieses besteht aus dem Blattgrund, den Blattstiel (der auch fehlen kann) und einer geteilten oder ungeteilten Blattspreite. Einige Blattfamilien bilden auch Nebenblätter. Zur Bestimmung der Planze sind die Form des Blattes, die Ausbildung des Blattrands und die Nervatur von Bedeutung. Charakteristische Merkmale sind die Ausgestaltung der Epidermis mit verschiedenartigen Haarbildungen und Spaltöffnungen, sowie das brkom- Mae men von Schleimzellen und Exkreträumen. Blattdrogen besitzen nicht mehr die ursprüngliche grüne Farbe, sondern sind durch den Trockenvorgang grau oder gelblich verfärbt. Stark braun verfärbte Blätter erfüllen nicht den Qualitätsanspruch des Arzneibuchs und sind als Droge nicht zugelassen. Beispiele für wichtige Blattdrogen sind: Melissenblätter (Melissoe folium), Pfefferminzblätter (Menthoe piperitoe folium), Salbeiblätter (Salvioe folium).

Kraut-Drogen- herba
Kraut wird im Frühjahr kurz vor oder während der Blütezeit geerntet. Als Kraut bezeichnet man den oberirdischen Teil einer Pflanze mit nicht verholzendem Stängel. Herba-Drogen bestehen aus den oberen Stängelteilen, den Laubblättern und Blüten. Vereinzelt werden auch die Sprossspitzen strauchartiger Pflanzen verwendet. Beispiele für Kraut-Drogen sind Spitzwegerichkraut (Plantoginis herba), Schafgarbenkraut (Millefolii herba).

Wurzel-Drogen - radix
Für Wurzeln liegt der günstigste Erntezeitpunkt im Spätherbst oder Frühjahr, da die Wirkstoffkonzentration in den unterirdischen Speicherorganen während der Ruheperiode am höchsten ist. Eine Wurzel-Droge besteht aus den geschälten oder ungeschälten Haupt- und Pfahlwurzeln einer Arzneipflanze. Oftmals handelt es sich um ein Gemisch aus Wurzeln und Teilen der unterirdischen Sprossachse (Rhizom), da der nach unten in die Wurzel übergehende Wurzelstock häufig mit der Wurzel zusammen geerntet wird. Unterirdische Pflanzenteile, die im botanischen Sinn „Rüben", d. h. zu Speicherorganen umgebildete Wurzeln darstellen, werden ebenfalls als Radix-Drogen bezeichnet (z. B. Enzianwurzel, Gentianoe radid).

Wurzelstock-Drogen - rhizoma
Rhizome werden im Spätherbst oder Frühjahr geerntet. Unter dem Wurzelstock versteht man die unterirdisch wachsende, verdickte Sprossachse ausdauernder Kräuter. Auf der Unterseite ist sie bewurzelt, nach oben hin entwickelt sich jedes Jahr ein neuer Spross, der nach der Fruchtreife abstirbt. Von der Wurzel unterscheidet sich das Rhizom durch deutlich sichtbare Blatt- oder Sprossnarben. Wurzelstock-Drogen sind häufig mit Anteilen der Wurzel vermischt. Zu den Rhizoma-Drogen zählen z.B. die Javanische Gelbwurz (Curcumae xonthorrhizoe rhizomo) und der Ingwerwurzelstock (Zingi- beris rhizoma).

Frucht-Drogen - fructus
Früchte erntet man zur Zeit der Vollreife. Frucht-Drogen bestehen meistens aus Einzelfrüchten, die aus dem Fruchtknoten einer einzelnen Blüte hervorgegangen sind, seltener aus Sammelfrüchten oder ganzen Fruchtstănden. Einzelfrüchte werden entsprechend der Fruchtform in Schließ- und Öffnungsfrüchte unterteilt Bei den SchlieBfrüchten wird der Samen zusammen mit der Frucht verbreitet, je nach Ausbildung der Fruchtwand unterscheidet man die meist vielsamige Beere mit fleischiger Fruchtwand (Heidelbeeren, Myrtilli fructus), die einsamige Nuss (Haselnuss) oder die Steinfrucht (0live). Als Sonderformen gehören die Spaltfrucht der Doldengewächse (Anis-, Fenchel-, Kümmelfrüchte, Anisi fructus, Foeniculi fructus, Carvi fructus), die Achäne der Korbblütler (Mariendistelfrüchte, Cardui mariae fructus) und die Karyopse (Nussfrucht der Gräser) ebenfalls zu den Schließfrüchten. Bei den Öffnungs- oder Springfrüchten springt die Fruchtwand bei der Reife auf und gibt die Samen frei. Hierzu zählen die Hülse (Sennes- früchte, Sennoe fructus), die Schote (Raps) und die Kapsel (Schlafmohn).

Samen-Drogen - semen
Samen entwickeln sich aus der befruchteten Samenanlage aller Samenpflanzen. Sie werden zur Vollreife geerntet. Arzneilich verwendete Samen-Drogen bestehen vorwiegend aus dem gesamten Samen mit Embryo, Nährgewebe und Samenschale. Gelegentlich bilden auch einzelne Bestandteile des Samens (Keimblätter, Samenkern ohne Schale) die Droge. Bekannte Samen-Drogen sind: Leinsamen (Lini semen) und Rosskastaniensamen (Hippocastani semen).

Rinden-Drogen - cortex
Rinden werden im Frühjahr, vor Beginn der neuen Vegetationsperiode geerntet. Eine Rindendroge stammt von ausdauernden Holzpflanzen mit sekundärem Dickenwachstum. Es wird der Teil der Sprossachse oder Wurzel verwendet, der außerhalb des Kambiumringes (- teilungsfähiges Bildungsgewebe) liegt. Für jede Droge legen die Arzneibücher fest, ob sie aus dem gesamten außenliegenden Gewebe (mit Borke und Außenrinde) oder nur einem Teil davon, aus Stamm- oder Wurzelrinde bestehen darf. Für die Droge Eichenrinde (Quercus cortex) wird die Zweig- und Stammrinde junger bis 20 Jahre alter Bäume, die sog. Spiegel- oder Glanzrinde verwendet. Faulbaumrinde (Franguloe cortex) muss laut Arzneibuchvorschrift vor der Verwendung mindestens ein Jahr gelagert werden.

Holz-Drogen - lignum
Das vom Kambium nach innen gebildete Dauergewebe wird als Holz bezeichnet. Holz- Drogen stammen von Wurzeln oder Sprossteilen älterer Bäume oder Sträucher mit mehr oder weniger stark entwickeltem Markkörper. Sie bestehen aus dem Splint- oder Kernholz mit oder ohne Rindenteil. Holz-Drogen, z.B. weißes Sandelholz (Santali albi lignum), haben heute kaum mehr eine Bedeutung.

 

 

 

 

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